2024/09/27 by Ziem, Alexander
#Bedeutungskonstruktion #Frames #Interaktionale Linguistik #Kognitive Linguistik #Mental Spaces #interaktive Bedeutungskonstitution #kontroverse Begriffe #methodologischer Mentalismus
paper · doi:10.14464/zsem.v43i1-2.735
Der vorliegende Beitrag untersucht den interaktiven Prozess der Bedeutungskonstitution von kontroversen Begriffen aus der Sicht der Gesprächsforschung und Kognitiven Linguistik. Ausgehend von dem Befund, dass trotz des inzwischen erweiterten methodischen Repertoires und inhaltlichen Skopus der Gesprächsforschung die interaktionale Konstruktion sprachlicher Bedeutungen weiterhin eine nur untergeordnete Rolle spielt, wird argumentiert, dass Fauconniers Theorie so genannter „Mental Spaces“ unter Einbezug von Frames (die Mental Spaces strukturieren) es erlaubt, den Online-Prozess der lexikalischen Bedeutungskonstitution präzise zu beschreiben und in seiner Relevanz für den mündlichen Sprachgebrauch auszuweisen. Konkret werden drei Verfahren der impliziten Sprachthematisierung im Rekurs auf die jeweils zugrundeliegenden kognitiven Aktivitäten expliziert: konzeptuelle Integration, konzeptuelle Desintegration oder konzeptuelle Elaboration. Der verstärkte Einbezug kognitionslinguistischer Fragestellungen in der Gesprächsforschung, eröffnet im Anschluss an Deppermanns (2007: 225) Vorschlag eines „methodologischen Mentalismus“ eine programmatische Perspektive für umfassendere Untersuchungen von Wortbedeutungen im Kontext.