2024/09/27 by Mroczynski, Robert
#Bedeutungskonstitution #Conceptual Blending Theory #Gesprächsanalyse #Interaktion #Kognition und Sprache #Kognitive Linguistik #Kognitive Semantik #Konversationsanalyse #Mentale Räume #Politische Talkshow
paper · doi:10.14464/zsem.v43i1-2.736
Die Gesprächsforschung und die kognitive Semantik werfen ein unterschiedliches Licht auf das Phänomen der Bedeutungskonstitution. Während es in der ethnomethodologisch orientierten Konversationsanalyse bei der Bedeutungskonstitution um empirisch nachweisbare, interaktiv hergestellte soziale Wirklichkeit geht (vgl. Heritage 1984: 232), ist die kognitive Semantik bemüht, die mentalen Prozesse des Individuums beim Verstehen sprachlicher Äußerungen zu modellieren. Von dem Befund ausgehend, dass die kognitionssemantische Perspektive auf die semantische Emergenz im Rahmen von gesprächsanalytischen Untersuchungen unterbelichtet ist, kommtes in diesem Beitrag zur Verbindung eines kognitionssemantischen Modells – der Blending-Theorie nach Fauconnier und Turner (vgl. 1998: 134ff.) – mit dem konversationsanalytischen Ansatz, der insbesondere durch die Arbeiten von Sacks u.a. (1974) und Clark (1996) geprägt ist.1 Damit betritt der Aufsatz kein absolutes Neuland: Bereits Liebert (1997), Deppermann (2006, 2007), Ehmer (2012), Hougaard (2008), Oakley und Coulson (2008) und Cienki (2008) haben den Versuch unternommen, Interaktion mit Kognition zu verbinden und dabei gezeigt, dass Synergieeffekte zwischen den konversationsanalytischen und kognitiven Ansätzen bestehen (vgl. Deppermann 2006: 11ff.; 2007; Liebert 1997: 180ff.; Ehmer 2012). Dieser Beitrag soll an Ausschnitten aus einer politischen Talkshow einige dieser synergetischen Berührungspunkte aufzeigen und ebenfalls auf die aus der hier vorgenommenen Synthese sichtbar werdenden Probleme hinweisen.