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Multimorbidität bei Menschen ab 50 Jahren – zeitliche Trends und regionale Variation

2026/04/13 by Jakob Holstiege, Claudia Kohring, Maria Ivanova +4 · 1 voice

paper · doi:10.20364/va-26.01

openalex publication_date 2026/04/13 · openalex created_date 2026/06/30 · openalex updated_date 2026/07/01

Abstract

Hintergrund Infolge des demografischen Wandels steigt die Prävalenz von chronischen Erkrankungen und von Multimorbidität, d. h. des gemeinsamen Auftretens chronischer Erkrankungen, in der deutschen Bevölkerung. Kenntnisse über regionale Unterschiede und zeitliche Trends von Multimorbidität bilden eine wichtige Basis für die Abschätzung aktueller und zukünftiger Versorgungsbedarfe. Methoden Die Datengrundlage bildeten bundesweite pseudonymisierte krankenkassenübergreifende vertragsärztliche Abrechnungsdaten gemäß § 295 SGB V der Jahre 2015 bis 2024. Als Studienpopulation wurden alle Versicherten im Alter ab 50 Jahren mit zumindest einmaligem Vertragsarztkontakt in den Jahren 2015 bis 2024 eingeschlossen. Für 19 chronische Erkrankungen wurde die Prävalenz des gemeinsamen Auftretens von ≥2, ≥3 und ≥5 Erkrankungen nach Alter, Geschlecht, Wohnkreis und Ausmaß der regionalen sozioökonomischen Deprivation des Kreises ermittelt. Ergebnisse Im Jahr 2024 wiesen 45 % der Frauen und 43 % der Männer in der Altersgruppe 50–59 Jahre ≥2 chronische Erkrankungen auf. Dieser Anteil nahm mit steigendem Alter kontinuierlich zu. Sowohl bei Frauen (+12 %) als auch bei Männern (+14 %) zeigte Multimorbidität in der Ausprägung ≥5 Erkrankungen die stärksten relativen Zunahmen über zehn Beobachtungsjahre. Die Prävalenz von Multimorbidität war in Ost- gegenüber Westdeutschland und deutschlandweit in Kreisen mit höchster und hoher sozioökonomischer Deprivation im Vergleich zu niedrigster Deprivation erhöht, zeigte aber auch ein Ost-West-Gefälle innerhalb der Deprivationskategorien. Schlussfolgerung Zunahmen der Prävalenz von Multimorbidität unterstreichen die steigende Komplexität der Versorgung und erwartbar wachsende Kosten im deutschen Gesundheitssystem. Erhöhte Versorgungsbedarfe durch Multimorbidität betreffen verstärkt Menschen in sozial benachteiligten Regionen, insbesondere in ostdeutschen Kreisen. Kennzahlen zu regionaler Variation von Multimorbidität können als Basis für die Ressourcenallokation, aber auch für verhaltens- und verhältnispräventive Ansätze zur Vorbeugung von chronischen Krankheiten und Multimorbidität genutzt werden.

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