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Limite et ressource : Quand les usages concurrents de la rivière Doubs provoquent des négociations diplomatiques (1720–1824)

2025/01/09 by Kaci, Maxime

paper · doi:10.26014/j.comp.2024.04-05.09

Abstract

This article focuses on the Doubs canyon, where the incised river separates the kingdom of France from the principality of Neuchâtel belonging to the king of Prussia. In this area, a microconflict broke out in 1720 between the glassmakers of Blancheroche on the French side of the Doubs and the town of La Chaux-de-Fonds on the Neuchâtel side. A study of this conflict over the use of woodland and the river provides an insight into the socio-environmental dimensions of life on the border. It also provides an opportunity to re-examine the processes by which borders are created. Here, it is not the implementation of a previously concluded diplomatic treaty that triggers border negotiations. Instead, it was the micro-conflict, which gradually became a conflict over sovereignty, that mobilised the courts in Versailles and Berlin. This case study shows that borders were co-productions between several states and rooted in the powerful spatial imaginary of natural boundaries. But this imaginary sometimes came up against social and environmental uses. This led to complex interactions between border populations and state powers. Negotiations between these states were conducted on the ground by boundary commissions, which provided a forum for exchange and mediation. The commissioners were negotiators who tried to reconcile territorial ideals with local practices. This reconciliation was tricky, and it was not until 1824 that an agreement put an end to the conflicts by distinguishing between a line delimiting sovereignty, based on natural landmarks, and a zone for the use of natural resources. Der Artikel befasst sich mit einem schluchtartigen Abschnitt des Flusses Doubs, der das Königreich Frankreich vom preußischen Fürstentum Neuenburg (Neuchâtel) trennte. Dort brach 1720 ein Mikrokonflikt zwischen den Glasmachern von Blancheroche auf der französischen Uferseite und der Stadt La Chaux-de-Fonds auf der Neuenburger Seite aus. Im Mittelpunkt stand die strittige Nutzung von Wald und Gewässer. Der Konflikthergang bietet Erkenntnisse auf zwei Ebenen: Zum einen gewährt er Einblick in die sozionaturalen Dimensionen des Lebens an der Grenze. Zum anderen werden Entstehungsdynamiken der Grenze selbst sichtbar. Denn entgegen landläufiger Entwicklungen stand hinter den in diesem Zeitraum ausgelösten Grenzverhandlungen kein Vertrag. Vielmehr gingen sie auf den Konflikt selbst zurück, der sich zu einem Souveränitätskonflikt zwischen Versailles und Berlin entwickelte. Die Fallstudie zeigt, dass Grenzen immer Koproduktionen mehrerer Staaten waren, die speziell in dieser Zeit stark von der räumlichen Vorstellung natürlicher Grenzen geprägt waren. In der Umsetzung musste sich diese Vorstellung an der sozialen Lebenspraxis und den lokalen Nutzungsweisen natürlicher Ressourcen messen. In den daraus entstehenden komplexen Interaktionen zwischen der Lokalbevölkerung und den Obrigkeiten kamen den vor Ort arbeitenden Grenzkommissionen als Foren des Austausches und der Vermittlung eine wichtige Rolle zu. Die leitenden Kommissare versuchten, die territorialen Idealvorstellungen mit den lokalen Praktiken in Einklang zu bringen. Erst 1824 wurde dieser konfliktreiche Vorgang durch ein Abkommen beendet, das zwischen einer an natürlichen Landmarken orientierten Souveränitätsgrenze und einer separaten Zone für die Nutzung der natürlichen Ressourcen unterschied.

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