2010/01/01 by Philip Jost Janssen, Janssen, Philip Jost
Social Sciences · #Bundesrepublik Deutschland #Communism, Protests, Social Movements #Discourse Analysis #Diskursanalyse #European history and politics #FRG #Federal Republic of Germany #Historical Contextual Analysis #Historische Kontextanalyse #Jugend #Jugendstudien #Sociology and Education Studies #Umfragen #Youth #Youth Studies #Youth Surveys
paper · pdf · doi:10.12759/hsr.trans.23.v01.2010
openalex publication_date 2010/01/01 · openalex created_date 2025/10/10 · openalex updated_date 2026/07/28
„Jugend“ ist in eine Schlüsselkategorie für das gesellschaftliche Selbstverständnis der frühen Bundesrepublik. Die Projektionsfläche Jugend fungiert als Ideal-, Zukunfts- und Albtraumbild par excellence, als Passepartout für anderes: Man verhandelt immer auch die moderne Massen-, Konsum- und Mediengesellschaft, gerade im Kontext von Demokratisierungs- und Amerikanisierungsdebatten. Aber gleichzeitig geht es auch um wissenschaftsimmanente Selbstpositionierung innerhalb der interdisziplinären Jugendforschung und in den 50er Jahren auch um einen veritablen Methodenstreit – hier ist eine rasches Überschreiben des tradierten Jugendideals mittels Umfrageforschung zu beobachten. Mit der neuen primären Deutungsinstanz der quantitativ-empirischen Jugendsoziologie verändert sich folgerichtig auch die bevorzugte Sicht auf Jugend in Richtung von Außenansichten und messbaren Durchschnittstypen, Metaphern einer „Pflanze Jugend“ weichen dem Bild des „Seismografen“. Aus diesem Selbstverständnis gewinnt soziologische Jugendforschung als „Wirklichkeitswissenschaft“ – trotz des traditionellen sprachlichen Habitus als innergesellschaftliche Ethnologie – den Anspruch umfassender Zeitdiagnose und Politikberatung. Wie sich Methode, auch wie sich nicht zuletzt wegen der neuen Methoden die Tonalität in der Jugendforschung relativ schnell ändert, dass sich dabei markante Analogien von Jugendbeschreibung mit dem eigenen Forschungsprogramm und Forscherbiografie sowie mit Maximen westdeutscher Politik im Selbstverständnis einer „Nivellierte Mittelstandsgesellschaft“ ergeben, wird in dieser Studie herausgearbeitet. Als „Historische Kontextanalyse“ diskutiert die Arbeit außerdem die Jugendprofile der frühen Bundesrepublik, so, wie sie sich über die Umfragedaten vermitteln. Sie evaluiert damit gleichzeitig das Quellenpotenzial und lotet die notwendigen Voraussetzungen für einen spezifisch zeitgeschichtlichen Zugriff auf historisch gewordene Umfragedaten aus. HSR Trans 23 ist die erweiterte Studie zu: Philip Jost Janssen. 2010. Jugendforschung in der frühen Bundesrepublik: Diskurse und Umfragen. Historical Social Research Supplement 22.