2022/11/23 by Kern, Christian
#FOS: Philosophy #ethics and religion
paper · doi:10.25598/csrt/2022-15
Der folgende Beitrag rekonstruiert und diskutiert die Protest-Performance „Sucht nach uns!“, welche das Künstlerkollektiv Zentrum für Politische Schönheit im Dezember 2019 in Berlin durchführte, in performanztheoretischer Perspektive. Anhand der kontroversen öffentlichen Debatte, welche die Aktion im Winter 2019/2020 anstieß, arbeitet der Text heraus, dass die Protestaktion entgegen dem eigenen Anspruch, gewaltfrei zu sein, ein strukturelles Gewaltproblem reproduziert: Sie greift im Rahmen einer politischen Agenda auf Körper und Lebensgeschichten von Menschen zu und macht sie zu einem Mittel politischen Streits. Der Beitrag fragt in Auseinandersetzung damit, wie Formen des Protests und kritischer Erinnerung gestaltet sein können,die einem solchen gewaltsamen Zugriff im Rahmen von Zweck-Mittel-Relationen widerstehen und stattdessen ein Ethos des Protests verkörpern,das ein Moment der Nichtgewalt, des Nichtzugriffs in sich trägt. Dies wird möglich, wenn sich die Performance offenhält und überraschen lässt voneinem unverfügbaren Anderen. Theologie bietet Ressourcen und Repertoires für solche gewaltdistanzierten Formen kritischer Erinnerungskultur und Protest-Performance.