2024/05/08 by Dewald, Carl
#Antisemitismus #Autoritarismus #Covid-19 #Keywords: Corona-protests #Kritische Theorie #Schlüsselwörter: Corona-Proteste #antisemitism #authoritarianism #critical theory #social movements #soziale Bewegungen
paper · doi:10.15203/4105.vol53.2024
Die Proteste gegen die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie prägten das politische Geschehen in den vergangenen Jahren in erheblichem Maße. Bisherige empirische Untersuchungen stellen übereinstimmend fest, dass die Proteste von Verschwörungsmythen, anti-modernen Haltungen sowie dem Unwillen, sich für realpolitische Veränderungen einzusetzen, geprägt waren. Sie benennen dabei allerdings den mannigfaltig vorhandenen Antisemitismus innerhalb der Protestbewegung nur sporadisch. Um dieses Charakteristikum der Proteste im Detail aufzuzeigen, untersucht die vorliegende Arbeit die von den Demonstrierenden gestalteten Schilder und Transparente anhand von mehr als 80.000 Fotografien, welche die Demonstrationen in Wien von April 2020 bis Ende Februar 2022 dokumentieren und somit deren zeitliche Entwicklung abbilden. Zentrale Erkenntnisse dieser Forschung sind ein tief verankerter und geteilter Antisemitismus unter den Teilnehmenden, der sich in einer Radikalisierungstendenz ausdrückt. Diese spitzt sich im Laufe von fast zwei Jahren vom Vorwurf der Lüge bezüglich der Gefährlichkeit von Covid-19 bis zur Konstruktion einer das Geschehen aus Profitgier steuernden, fast allmächtigen kleinen Fremdgruppe zu. Darunter zeigt sich insbesondere der zeitgenössische Antisemitismus durch eine massenhafte Identifizierung der Protestierenden mit den Opfern der Shoah und damit gleichzeitig der Relativierung der Verbrechen als ein in dieser Form neues Phänomen.