2015/01/01 by Dina Hummelsheim, Hummelsheim, Dina
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paper · doi:10.15464/isi.54.2015.7-12
openalex publication_date 2015/01/01 · openalex created_date 2025/10/10 · openalex updated_date 2026/08/01
Sicherheit stellt ein elementares menschliches Grundbedürfnis dar (Maslow 1943). Der objektive Blick auf physische Sicherheit und materielles Wohlergehen stand lange im Zentrum des wissenschaftlichen und politischen Interesses, während subjektive Sicherheit dagegen als weniger bedeutsam und nicht substantiell erachtet wurde. Erst ab Mitte der 1960er Jahre gewann der Blick auf das subjektive Wohlbefinden zunächst in den USA und etwas später in den 1970er Jahren auch in Deutschland an Popularität. In der Kriminologie wendete man sich dem Thema der Kriminalitätsfurcht zu, während in den Sozialwissenschaften auch das Konzept der Lebensqualität mit den subjektiven Aspekten Lebenszufriedenheit, Glück und Wohlbefinden in das Blickfeld gerieten. Die subjektive Perspektive besitzt seitdem politische und wissenschaftliche Relevanz, die unter anderem in der Erkenntnis begründet liegt, dass sich die objektive Lage und die subjektive Interpretation davon nicht nur voneinander unterscheiden können, sondern dass der subjektiven Perspektive auch eine erhebliche Bedeutung für das individuelle und gesellschaftliche Wohl zukommt. Wie relevant die subjektive Wahrnehmung für Handlungsentscheidungen der Menschen ist, beschreibt das von William I. Thomas und Dorothy S. Thomas beschriebene Thomas-Theorem: 'If men define situations as real, they are real in their consequences' (Thomas/Thomas 1928: 572). Die Vorstellungen der Akteure, ihre Definition der Realität, unabhängig davon, ob diese objektiv richtig sind oder nicht, entscheidet über Handlungen und verfügt damit über reale, objektive Konsequenzen (vgl. Esser 1999: 63).