2014/01/01 by Holger Wendling · 1 voice
Arts and Humanities · Earth and Planetary Sciences · #Ancient and Medieval Archaeology Studies #Historical and Archaeological Studies #Archaeological Research and Protection
paper · doi:10.54799/bjvx5053
openalex publication_date 2014/01/01 · openalex created_date 2025/10/10 · openalex updated_date 2026/05/21
Die häufige räumliche Bezugnahme urgeschichtlicher Grabhügel und befestigter latènezeitlicher Gehöftsiedlungen, sogenannter Viereckschanzen, scheint kein zufälliges Phänomen darzustellen. Mitunter wurden die Wall-Graben-Anlagen unmittelbar an ältere Hügelmonumente angebaut oder in deren direkter Umgebung errichtet. Die Analyse einer Stichprobe süddeutscher Viereckschanzen lässt Lage- und Kombinationsmuster erkennen, die teilweise mit kosmologischen Vorstellungen der keltischen Bevölkerung zu erklären sind. Die bewusste Platzwahl deutet eine gezielte ideologische Anlehnung an die herausragenden Erinnerungsorte an. Ur- und frühgeschichtliche sowie ethnographische Beispiele für ähnliche Phänomene einer Korrelation von Siedlung und Bestattungsplatz bieten Interpretationspotential für die eisenzeitliche Erinnerungskultur Mitteleuropas. Der ostentative Rückgriff auf ältere Monumente diente der Aneignung der Vergangenheit sowie der Schaffung (fingierter) Traditionen und sollte hierdurch wirtschaftliche und politische Machtstrukturen legitimieren und konsolidieren.