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Weimars Untergang, die Historiker und die Kapitalismuskritik. Zur Wirkungsgeschichte der „Abraham Affair“

2025/06/02 by Tim Schanetzky · 1 voice
Arts and Humanities · Social Sciences · #German History and Society #German Social Sciences and History #Philosophy, History, and Historiography

paper · pdf · doi:10.1515/hzhz-2025-0014

openalex publication_date 2025/06/02 · openalex created_date 2025/06/03 · openalex updated_date 2026/05/21

Abstract

Zusammenfassung David Abrahams neomarxistische Studie „The Collapse of the Weimar Republic“ spaltete die Geschichtswissenschaft auf beiden Seiten des Atlantiks in verfeindete Lager. Seit dem Frühjahr 1983 eskalierte die Auseinandersetzung, weil Kritiker Fälschungsvorwürfe erhoben. Abrahams Verteidiger sahen darin nur einen Vorwand für politisch grundiertes Misstrauen gegenüber theorieorientiertem Arbeiten und zogen Parallelen zur McCarthy-Ära. Den Verlauf des transatlantischen Streits über Methoden und professionelle Standards rekonstruiert der Beitrag, indem er sich auf unveröffentlichte Quellen stützt. Damit ist keine Neubewertung der damaligen Positionen intendiert. Vielmehr wird nach den Formen und Praktiken des Konflikts gefragt und nach seinen Wirkungen. Anhand der „Abraham Affair“ und der Rezeption von Henry A. Turners monumentaler Studie über „Die Großunternehmer und der Aufstieg Hitlers“ ist zu beobachten, wie jene kapitalismuskritischen Deutungen abgewickelt wurden, die zuvor noch im Mainstream der Geschichtsschreibung über die Weimarer Republik formuliert worden waren. In empirisch verlässlicher Detailforschung schien das Potential zu liegen, um jahrzehntealte Kontroversen abzuschließen. Der Beitrag argumentiert, dass damit zugleich ein Bedeutungsverlust von Systemperspektiven einherging, die von Luc Boltanski und Ève Chiapello als „Sozialkritik“ am Kapitalismus bezeichnet worden sind. An ihre Stelle traten eine kulturalistische Subjektorientierung und die Hinwendung zum unternehmenshistorischen Einzelfall – Akzentverschiebungen, so die These, mit denen der Neoliberalismus auch in der Geschichtsschreibung Spuren hinterlassen hat.

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