1990/01/01 by Jürgen Zinnecker · 1 voice
Environmental Science · Social Sciences · #Ecology, Conservation, and Geographical Studies #Sociology and Education Studies
paper · doi:10.1007/978-3-322-95539-5_8
openalex publication_date 1990/01/01 · openalex created_date 2025/10/10 · openalex updated_date 2025/11/06
Unter dem Leitkonzept “Verhäuslichung” möchten wir auf eine spezifische zivilisatorische Entwicklungsrichtung aufmerksam machen, die Kindheit im Zuge von Urbanisierung und Industrialisierung im 19. und 20. Jahrhundert nimmt. Die Handlungsräume dieser Altersgruppe werden in wachsendem Maße und auf qualitativ neuartige Weise eingegrenzt. Die Lebenswelt der Kinder wird in geschützte Räume hineinverlagert; gegenüber der natürlichen Umwelt versiegelt; von den Handlungsorten anderer Altersgruppen abgegrenzt. Gewiß ist Verhäuslichung eine allgemeine zivilisatorische Tendenz, die auf die eine oder andere Weise alle sozialen Altersgruppen erfaßt. Gleichwohl ist es sinnvoll, Form, Qualität und Auswirkung dieses Prozesses gesondert für Kindheit zu betrachten. Was die Folgen von Verhäuslichung angeht, so trifft sie Erwachsene oder Jugendliche auf eine andere Weise als Kinder. Das ist naheliegend, wenn wir beispielsweise die stärkere Einbindung von Kindern in die strukturellen Gegebenheiten der (städtischen) Nahwelten bedenken, die für sie zugleich primärer Lern- und Lebensraum sind. So sind Kinder in einer spezifischen Weise Betroffene oder sogar Opfer, wenn Ortsansässige im Zuge der Massenmotorisierung bzw. der Kommerzialisierung bestimmter Quartiere aus dem öffentlichen Straßenleben herausgedrängt und zwangsweise “verhäuslicht” werden.