2026/07/24 by Markus Rüther, Stefanie Ritz, Simon B. Eickhoff +2
paper · doi:10.1007/s00194-026-00855-y
Zusammenfassung Hintergrund KI-Anwendungen werden auch in der rechtsmedizinischen Begutachtung zunehmend als Unterstützung diskutiert. Für ihren fachlich angemessenen, rechtlich zulässigen und ethisch vertretbaren Einsatz bei der Gutachtenerstellung fehlen bislang jedoch spezifische Handlungsempfehlungen. Ziel der Arbeit Es sollen zentrale Herausforderungen des Einsatzes von KI bei der Erstellung rechtsmedizinischer Gutachten herausgearbeitet und, darauf aufbauend, praxisnahe Empfehlungen für den verantwortungsvollen Umgang mit KI-Applikationen entwickelt werden. Methodischer Ansatz Die Arbeit stellt den zweiten Teil eines mehrstufigen Projekts dar. Sie knüpft an die Ergebnisse einer Befragung von in der Rechtsmedizin tätigen Sachverständigen an und verbindet diese mit einer Analyse einschlägiger ethischer, rechtlicher und technischer Rahmenbedingungen. Ergebnisse Es werden insgesamt sieben Handlungsempfehlungen formuliert. Diese betreffen die Auswahl und Eignungsprüfung von KI-Tools, den zulässigen Umfang ihrer Nutzung, die eigenständige Qualitätskontrolle KI-generierter Inhalte, die Transparenz des KI-Einsatzes, den Schutz sensibler Daten, Fragen von Verantwortung und Haftung sowie die Notwendigkeit hinreichender KI-Kompetenz und Fortbildung. Als besonders problematisch erscheint ein Einsatz, der in die gutachterliche Kernleistung hineinreicht. Diskussion Ein KI-Einsatz in der rechtsmedizinischen Gutachtenerstellung erscheint derzeit vor allem für unterstützende Tätigkeiten vertretbar. Je stärker KI in die Befundbewertung und die Beantwortung der Beweisfrage eingreift, desto höher sind die fachlichen, rechtlichen und ethischen Anforderungen.