2013/11/15 by Schneider, Antonius, Karsch-Völk, Marlies, Rupp, Alica +4
Medicine · #610 Medical sciences #Allgemeinmedizin #Arztberuf #Institutionalisierung #Medicine #Motivation #Studierende der Medizin
paper · doi:10.3205/zma000888
Zielsetzung: Der zunehmende Hausärztemangel wird immer mehr zu einem realen Versorgungsproblem. Ziel war es, an drei Universitäten mit unterschiedlichem Grad der Institutionalisierung des Fachs Allgemeinmedizin Einflussfaktoren zu ermitteln, die die Motivation für eine spätere hausärztliche Tätigkeit begünstigen. Methodik: In einem standardisierten Fragebogen wurde die Haltung gegenüber dem Fach Allgemeinmedizin und die Bereitschaft zur Niederlassung in eigener hausärztlicher Praxis bzw. Motivation zur Arbeit in Anstellungsverhältnissen erfasst. Einflussfaktoren auf Haltung und Motivation für eine spätere hausärztliche Tätigkeit wurden mittels binär logistischer Regression berechnet. Ergebnisse: 940 (15,2%) Studierende von insgesamt 6182 Studierenden aus drei bayerischen Universitäten (Erlangen, LMU und TUM) haben sich an einer internetbasierten Umfrage beteiligt. 585 (62,7%) waren weiblich. Das Durchschnittsalter betrug 25,0 Jahre (Standardabweichung 3,7). Die durchschnittliche Abiturnote war 1,6 (Standardabweichung 0,5). 718 (76%) der Studierenden könnten sich eine hausärztliche Arbeit vorstellen, wobei die Anstellung der Selbstständigkeit vorgezogen wird (65,5 vs. 35,1%). Für die wertschätzende Haltung gegenüber der Allgemeinmedizin zeigt sich die „Existenz eines Lehrstuhls“ als stärkster Prädiktor (OR 1,57; 95%CI 1,13-2,417). Die stärksten Prädiktoren für die Motivation zu einer späteren hausärztlichen Tätigkeit sind „weibliches Geschlecht“ (OR 2,56; 95%CI 1,80-3,56) und die „Existenz eines Lehrstuhls“ (OR 1,68; 95%CI 1,14-2,46). Eine weniger gute Abiturnote war mit einer höheren Bereitschaft zur Selbständigkeit assoziiert (OR 1.39; 95%CI 1.02-1.90). Schlussfolgerung: Diese Studie zeigt, dass durchaus viele Studierenden gegenüber einer hausärztlichen Tätigkeit aufgeschlossen sind, allerdings präferenziell im Angestelltenverhältnis und nicht in selbstständiger Niederlassung. Eine Institutionalisierung der Allgemeinmedizin scheint bedeutsam zu sein für eine positive Einstellung zum Fach und zur Motivation für eine spätere hausärztliche Tätigkeit.