2024/11/25 by Graevskaia, Alexandra
#300 - Sozialwissenschaften #71.20 - Formen des Zusammenlebens: Allgemeines #Anthropologie #Soziologie #interkulturelle Kommunikation #interkulturelle Kompetenz #interkulturelle Pädagogik #interkulturelle Öffnung #transkulturell
paper · doi:10.48693/601
Der Begriff ‚interkulturell‘ ist allgegenwärtig: In Stellenausschreibungen wird ‚interkulturelle Kompetenz‘ erwartet, Behörden sollen sich ‚interkulturell‘ öffnen, in Unternehmen finden ‚interkulturelle Trainings‘ statt, an der Universität wird ‚interkulturelle Pädagogik‘ gelehrt, zu ‚interkultureller Kommunikation‘ geforscht, und das Datum des ‚interkulturellen Straßenfestes‘ kann ich in meinen ‚interkulturellen Kalender‘ eintragen. Aber was bedeutet ‚interkulturell‘ in diesen verschiedenen Kontexten eigentlich? Und wie kam es zu solch einer Omnipräsenz? In diesem Beitrag werden die Entstehung, Verbreitung und Verwendung des Begriffs ‚interkulturell‘ nachgezeichnet, um die unterschiedlichen Verständnisse und Anwendungen des Begriffs verstehen und Alternativen denken zu können. Der Beitrag zeigt auf, dass der Begriff oft ohne nähere Definition und wie selbstverständlich verwendet wird. Alle scheinen eine Vorstellung davon zu haben, was ‚interkulturell‘ bedeutet. Solche Vorstellungen reproduzieren jedoch (oft ungewollt) eine Perspektive auf die Welt, die von homogenen national, ethnisch oder religiös verfassten Herkunftskulturen ausgeht. Neben Homogenisierung impliziert diese Perspektive zudem eine Polarisierung und teils auch Hierarchisierung (zugeschriebener) Herkunftskulturen und wirkt damit rassifizierend. Es finden sich aber auch reflexive und rassismuskritische Ansätze unter dem Label ‚interkulturell‘ wieder.