2022/07/29 by Kelln, Jessica, Dangendorf, Sönke, Gräwe, Ulf +2
#FOS: Natural sciences #Küsteningenieurwesen #MSL #Meeresregionen #Meeresspiegelanstieg #Ostsee #Pegelzeitreihen
paper · doi:10.18171/1.091107
In dem vorliegenden Beitrag werden Ergebnisse des Teilprojektes AMSeLOstsee A (03KIS0114) vorgestellt. Das primäre Ziel war die Ermittlung qualitativ hochwertiger Monatszeitreihen des mittleren Meeresspiegels (MSL) entlang der südwestlichen Ostseeküste sowie die anschließende Analyse der Zeitreihen zur Untersuchung der Langzeitentwicklung und der Variabilität auf unterschiedlichen Zeitskalen. Im Ergebnis konnten 49 MSL-Monatszeitreihen mit einer jeweiligen Zeitreihenlänge von 19 bis 185 Jahren generiert werden. Die Analysen zeigen über das 20. Jahrhundert von 1900 bis 2015 lineare Trends von 0,93 mm/a (Marienleuchte) bis 1,67 mm/a (Travemünde). Die Unterschiede zwischen den einzelnen Pegelstandorten beruhen auf Datenlücken, lokalen Effekten sowie vertikalen Landbewegungen (VLM – engl. vertical land motions). Mithilfe der Pegelzeitreihen, numerischen Modellläufen und Satellitenaltimeterdaten konnten verschiedene Einflussfaktoren auf unterschiedlichen Zeitskalen detektiert und quantifiziert werden. Werden die MSL Zeitreihen um relative Meeresspiegeländerungen aufgrund von postglazialen Landhebungen (GIA – engl. glacial isostatic adjustment) bereinigt, so ändern sich die linearen Trends nur geringfügig, da sich die südwestliche Ostsee im Übergangsbereich zwischen Landhebung und Landsenkung befindet. Für die gesamte südwestliche Ostseeküste ergibt sich für das 20. Jahrhundert (1900 bis 2015) anhand der GIA korrigierten Zeitreihen ein linearer Trend von 1,2 ± 0,1 mm/a. Dieser Wert liegt aufgrund der lokalen Beeinflussungen der südwestlichen Ostseeküste durch unterschiedliche Einflussfaktoren, wie insbesondere Veränderungen in den dominanten Westwindlagen, an der unteren Grenze derzeitiger Trendschätzer des GMSL von 1,3 bis 2 mm/a. Weiterhin zeigen die Untersuchungen eine kontinuierliche Beschleunigung in den Anstiegsraten, die immer wieder durch positive/negative Phasen interner Variabilität überlagert wird.