2003/01/01 by Heinrich Best, Best, Heinrich
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paper · pdf · doi:10.12759/hsr.28.2003.1/2.128-160
openalex publication_date 2003/01/01 · openalex created_date 2025/10/10 · openalex updated_date 2026/08/01
Der Beitrag versucht, folgende Fragen zu beantworten: Gab es im Hinblick auf Rekrutierungsweisen der Spitzenkader eine Differenzierung funktionaler Bereiche der DDR-Gesellschaft? Welchen Platzierungsregeln folgte diese Differenzierung? Wie veränderte sie sich in der Kohortenfolge? Um diese Fragen zu beantworten, werden die Daten des Kaderdatenspeichers des Ministerrats der DDR mit Hilfe der Korrespondenzanalyse ausgewertet. Die Interpretation der Daten zeigt Folgendes: Es waren weniger Defekte der funktionalen Differenzierung, sondern eher Widersprüche und Widersinnigkeiten im Aufbau einer stratifikatorischen Ordnung sozialistischer Gesellschaften, die deren entscheidenden Konstruktionsfehler bildeten. Auch wenn die Funktionseliten der DDR deutlich zunehmende Erfolge bei der Statusreproduktion hatten, auch wenn es Bereiche im Machtapparat gab, in denen materiell attraktive Privilegien bereitgestellt wurden, war die DDR kein Paradies der Kader: Ihre Karrieremöglichkeiten waren eng begrenzt und fremdbestimmt, die Gratifikationen eher mager und die familiale Sukzession durch die verbliebene soziale Wirkungsmacht egalitärer Ideologie mit einigen Verschleierungs- und Umgehungskosten belastet. Das Ende des Sozialismus bedeutete für die Funktionseliten der DDR die Befreiung von einem obsoleten, aber immer noch störenden Reproduktionsregime und die neugewonnene Möglichkeit, soziales Kapital (etwa in der Gestalt der 'Seilschaften') und kulturelles Kapital (etwa in der Form wertvoller Bildungszertifikate) frei in ökonomisches Kapital zu konvertieren.