2025/05/13 by Simon, Tina
Engineering · Medicine · Social Sciences · #Biomedical and Engineering Education #Blended Learning #Dekolonialität #Entwicklungshilfe #Global Health and Surgery #Medical, Sociocultural, and Biopolitical Studies #Planungskulturen #Zertifikatsprogramm
paper · doi:10.11576/zhwb-8066
openalex publication_date 2025/05/13 · openalex created_date 2025/12/10 · openalex updated_date 2026/07/01
Zeitliche Dimensionen prägen wissenschaftliche Weiterbildung auf vielfältige Weise – sowohl im Hinblick auf die Lebenszeit der Teilnehmenden, die organisatorische Gestaltung von Formaten als auch im Rahmen internationaler, bildungspolitischer Zielsetzungen und institutioneller Planungsprozesse. Der vorliegende Beitrag porträtiert das Zertifikatsprogramm BioMex, ein transnationales Weiterbildungsprojekt im Kontext der deutschen bilateralen Entwicklungszusammenarbeit, welches 2023 mit einem regionalen Fokus in Ruanda startete und seit Mai 2025 auch international geöffnet ist. Es verdeutlicht exemplarisch, wie sich zeitliche Planungskulturen und internationale Kooperationslogiken auf die Gestaltung wissenschaftlicher Weiterbildung auswirken. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Bildungsformate als Reaktion auf gesellschaftliche Zeitdiagnosen konzipiert und umgesetzt werden. Vor dem Hintergrund internationaler Kooperationen versteht sich BioMex als Reaktion auf mehrere überlagerte Zeitdiagnosen: den beschleunigten Innovationsdruck in der Biotechnologie, die Dringlichkeit nachhaltiger Gesundheitssysteme und die strukturelle Zeitverzögerung postkolonialer Wissensräume. Vor diesem Hintergrund fungiert das Programm nicht nur als bildungspolitisches Entwicklungsinstrument, sondern auch als Versuch, epistemische Ungleichzeitigkeiten zu adressieren – und zwar durch eine international anschlussfähige, aber lokal verankerte Weiterbildung. Im vorliegenden Beitrag nähern wir uns zunächst dem Thema Zeitlichkeit aus organisationssoziologischer Perspektive an. Im Anschluss wird aufgezeigt, wie verschiedene Herausforderungen jeweils spezifische Zeitstrukturen hervorbringen, bevor abschließend erörtert wird, welche Konsequenzen sich daraus für die wissenschaftliche Weiterbildung ableiten lassen.